Archiv für Januar 2012

Bremen – Internationale Drehscheibe im Atomgeschäft (Flyer Frühjahr 2011)

Über Bremen und insbesondere den Bremerhavener Hafen gehen eine Vielzahl von Atomtransporten. Bremen ist eine Drehscheibe zur Versorgung und zur Entsorgung der AKWs im internationalen Atomgeschäft. Uranoxide, das extrem giftige Uranhexafluorid, unbestrahlte und bestrahlte Brennelemente oder andere Produkte im Zusammenhang mit der Nutzung der Atomtechnologie werden im Bremerhaven umgeschlagen und/oder durch das Bremer Stadtgebiet transportiert. Die nach Atomgesetzt meldepflichtigen Atomtransporte über Bremen und Bremerhaven gingen von und nach verschiedenen Orten in Süd-Korea, Russland, Kasachstan, USA, Kanada, Brasilien, Argentinien, Süd-Afrika, Frankreich, Großbritannien, Niederlande, Belgien, Schweden, Norwegen, Finnland, Dänemark, Spanien, Schweiz und Deutschland. „Das Land Bremen muss seine Spielräume zur Verhinderung von Atomtransporten konsequent nutzen. Wir wollen nicht, dass der giftige Atommüll durch unsere Wohngebiete transportiert wird.“, so Grünenpolitikerin Karin Mathes im Weser Kurier am 26.10.2009. Doch die Realität sieht ganz anders aus, in den letzten Jahren stieg die Zahl dieser Transporte stark an: Allein 2010 gab es 115 Atomtransporte durch das Land Bremen! Der Antwort des Senats auf eine Anfrage der Fraktion der Linken ist zu entnehmen, dass in den Jahren 2004 bis 2008 mehr als 330 nach dem Atomgesetz meldepfl ichtige Atomtransporte durch das Land Bremen fast ausschließlich per Schiff und LKW stattgefunden haben. Den größten Anteil der Transporte über Bremen machen Transporte des hoch-toxischen Uranhexafl uorid aus. Angereichertes Uranhexafluorid wurde in den 5 Jahren 133 mal im Umfang von 1.209 Tonnen Uran transportiert.
Zahlreiche dieser Transporte kommen aus Korea, Russland und den Nieder- landen. Als Zielländer sind die USA und Schweden am bedeutesten. Besonders bemerkenswert ist ein Transport 2004 an das Hahn-Meithner-Institut in Berlin, das die enorme Menge von gut 11 Tonnen radioaktiver Stoffe mit einer waffenfähigen Anreicher-ung von 20 % Uran 235 aus den USA erhielt. Bemerkenswert in anderer Hinsicht: Am 8. März 2010 zog die Polizei einen Sattelschlepper mit einer Ladung hoch toxischen Gefahrenguts auf der Autobahn A1 aus dem Verkehr: Er hatte 15 Tonnen radioaktives Uranhexafl uorid geladen und das in einer Form, die die Polizei als absolut nicht verkehrssicher betrachtete. Sie veröffentlichte später ein Foto von großen Roststellen an dem LKW, der LKW-Fahrer bekam einen Strafzettel wegen einer Ordnungswidrigkeit (taz 21.10.2010)… Die hohe Zahl an Transporten rückt nicht nur den angeblichen Anti-Atom-Kurs Börnsens und der Grünen in ein realistisches Licht. Sie belegt auch, dass die Bremer Landesregierungen die Beschlüsse von 12 Ortsbeiräten aus den Jahren 1997/98 ignoriert haben. Diese hatten den Senat angesichts der „unverantwortlichen Risiken“ aufgefordert, mit dem Ziel „keine Atomtransporte mehr über Bremisches Gebiet“, „mit den zuständigen Bundesbehörden und der Deutschen Bahn zu verhandeln“.
Noch in den Jahren 2006 und 2007 wurden mehr als 2 Tonnen hoch-toxisches Plutonium in sechs Transporten von MOX-Brennelementen von Belgien über Bremen / Bremerhaven zum AKW Brokdorf transportiert. Risiken für die Bevölkerung Unfälle, die zu einer Freisetzung radioaktiver Stoffe führen, können verheerende Folgen haben – unabhängig davon, ob es sich um ortsfeste Anlagen handelt oder um Transporte. Transporte haben jedoch
ihre eigene Problematik: Sie sind schwieriger zu schützen, die Behälter können nicht immer ausreichend
ausgestattet sein, gefährliche Stellen lassen sich nicht ohne weiteres umfahren, und schließlich werden alle Vorbeugungs- und Schutzmaßnahmen dadurch erschwert, dass Unfälle an nicht vorhersehbaren Orten geschehen, was nachweislich passiert ist. Die Auswirkungen eines Unfalls, d.h. die Strahlenbelastung Einzelner oder ganzer
Bevölkerungsgruppen und die daraus folgenden Gesundheitsschäden, hängen im konkreten Fall unter anderem von Art, Menge und Form der freigesetzten Stoffe ab, von Emissionshöhe, Wetterbedingungen, Geländestruktur, Verhalten der Radionuklide in der Biosphäre und im Menschen sowie von Maßnahmen, die zur Verringerung der Strahlendosis ergriffen werden. Das kann tiefe Eingriffe in das Leben der Bevölkerung bedeuten – Räumung von Gebieten, zeitweise Umsiedlung, Abtragen der obersten Bodenschichten einschließlich des Bewuchses (und sichere Endlagerung!), Dekontamination von Straßen und Gebäuden, Nutzungseinschränkungen, um nur einiges zu nennen. Transporte von abgebrannten Brennelementen in die Plutoniumfabriken (beispielsweise nach La Hague/Frankreich oder nach Sellafield/Groß Britannien) sind seit dem 01.07.2005 gesetzlich untersagt worden. Transporte von „bestrahlten“ (abgebrannten) Brennelementen aus sogenannten Forschungsreaktoren dürfen dagegen weiterhin erfolgen. Solche Transporte sind schon alleine aufgrund der hohen biologischen Wirkung der Neutronenstrahlung nicht zu verantworten. Die auftretenden Strahlendosen sind hoch und können zur Zeit nicht mit annähernd ausreichender Genauigkeit erfaßt werden. Bei einem Zusammenstoß zwischen Güterzug und Transportbehälter und anschließendem mehrstündigen Feuer können große Mengen Cäsium-134 und Cäsium- 137 freigesetzt werden. Durch Gammastrahlung und mit Cäsium belastete Nahrungsmittel führen zu einer jahrzehntelangen Strahlenbelastung von Mensch und Umwelt. Bei Unfällen mit Uranhexafl uorid (UF6) Transporten ist wesentlich dessen hohe Toxizität: Bei Freisetzung von UF6 bilden sich mit der Luftfeuchte sofort Flußsäure und andere giftige Fluorverbindungen, die schwere Verletzungen der Atemwege verursachen. Je nach Witterungsbedingungen können bis in ca. 600 m Entfernung vom Unfallort tödliche Konzentrationen auftreten, die Zahl der Todesopfer im städtischem Gebiet wird bis zu 1000 geschätzt. Bei schweren Unfällen, die mit Freisetzung von UF6 oder Plutonium verbunden sind, gibt es keine effektiven Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung. Die einzig sichere und vernünftige Präventionsmaßnahme ist, diese Transporte zu verhindern. Atomtransporte-Stopp ist kein unerreichbares Ziel. Verschiedene Städte haben es – auf Grund öffentlichen Drucks – vorgemacht: Lübeck (1987, nach diesem Beschluss wird bis heute verfahren), Emden (1987), Wilhelmshaven (1988, Atomtransporte und Umschlag von radioaktivem Material sind dort zur Zeit (10/09) weder geplant noch beantragt) haben Atomtransporte über ihre Häfen untersagt. Frankfurt am Main (1997) und die Länder Belgien, Luxemburg und die Niederlande haben zumindest CASTOR-Transporte durch ihre Regionen verboten. Das alles liegt jedoch Jahre zurück. Wir sind gerade dabei zu recherchieren, ob diese Verbote noch gelten. Wenn ja, ob sie eingehalten werden.
Atomtransporte sind von größter strategischer Bedeutung für das Funktionieren der Atomindustrie. Atomtransporte stoppen heißt die Atomanlagen stilllegen und das ist genau unser Ziel! Atomkraft ist Ausdruck menschenfeindlicher Interessen. Die Nutzung von Atomkraft ist konsequenter Audruck der herrschenden
kapitalistischen Verhältnisse, die sich vorrangig dadurch charakterisieren lassen, dass nicht der Mensch und seine Bedürfnisse und Wünsche oder die Achtung der Umwelt, sondern stattdessen wirtschaftliche Wachstumslogiken und der Zwang zur Profi tmaximierung in den Mittelpunkt des Denkens und Handelns gestellt wird. Beim Umgang mit Atomkraft werden Tod und Krankheit, die unkontrollierbare radioaktive Verseuchung von riesigen Landstrichen in Kauf genommen und Müll produziert, der länger strahlt als irgendeine endgültige Lagerung sicher sein könnte. AKWs sind niemals sicher. Es gibt ständig bedrohlliche Zwischenfälle und die meisten deutschen Kraftwerke sind in den 70er Jahren erbaut – und basieren auf der Technik der 60er Jahre. Sie sind alt und besonders unkontrollierbar. Atomstrom ist auch nicht billig; die Folgekosten werden auf die Allgemeinheit abgewälzt. Die Behauptung Atomstrom sei klimafreundlioch ist falsch. Der Uranabbau, die Herstellung der Brennelemente, die Wiederaufbereitung und die Transporte, die damit einhergehen, produzieren Unmengen an CO2. Wichtiger als die vernünftige Abschätzung der Konsequenzen und Risiken, die mit dem Uranabbau, der Herstellung und dem Transport von Brennelementen und anfallenden Abfällen einhergehen und auch wichtiger als die Abschätzung welche Risiken der Betrieb von AKWs, die militärische Nutzung dieser Technologie oder die unlösbare Frage der Endlagerung bedeuten war und ist es offensichtlich die Wirtschaft mit Energie versorgen zu können und weiteres rücksichtsloses Wachstum zu ermöglichen.
Dagegen wehren wir uns:
Atomtransporte unmöglich machen ! In Bremen und überall anderswo! Für die sofortige Stillegung aller Atomanlagen weltweit ! Herrschende Verhältnisse angreifen!