NDR.DE: Plutonium-Transport: Landrat zeigt Minister an (16.11.2012)

Atomgegner bereiten sich in Nordenham (Landkreis Wesermarsch) und am AKW Grohnde (Landkreis Hameln-Pyrmont) auf den zweiten Plutonium-Transport vor. Nach Angaben der Initiative „Grohnde abschalten“ könnte der Frachter „Atlantic Osprey“ mit den plutoniumhaltigen Mischoxid-Brennelementen aus Großbritannien bereits am Sonnabendmorgen in Nordenham eintreffen. Zahlreiche Organisationen riefen zu Protestaktionen auf, die heute Abend beginnen sollen. In der Zwischenzeit wurde bekannt, dass der Landrat der Wesermarsch, Michael Höbrink (SPD), Strafanzeige gegen Innenminister Uwe Schünemann (CDU) und gegen den CDU-Fraktionsvorsitzenden im Niedersächsischen Landtag, Björn Thümler, gestellt hat. Hintergrund ist der erste Transport im September.

Strafanzeige wegen übler Nachrede

Höbrinks Anwalt, Geert Latz, stellte Strafanzeige wegen übler Nachrede. Schünemann und Thümler hatten dem Landrat vorgeworfen, er habe Informationen über den letzten Transport an Journalisten weitergegeben und damit Geheimnisse preisgegeben. Diese Behauptungen sind laut Latz wahrheitswidrig. Zudem hätten die beiden Politiker gegen die Unschuldsvermutung verstoßen, erklärte der Anwalt. Er forderte, die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen sofort einzustellen. Ein Sprecher von Schünemann sagte in einer ersten Reaktion, der Minister sehe dem Strafantrag gelassen entgegen.

40 Trecker der Bäuerlichen Notgemeinschaft erwartet

Bürgerinitiativen bereiten sich derweil auf den Transport und auf Protest-Aktionen vor. Heute Abend um 20 Uhr wollen die Aktivisten in
Nordenham demonstrieren und am AKW Grohnde eine Mahnwache abhalten. Darüber hinaus soll am AKW ein Camp aufgebaut werden, dort würden am Sonnabend unter anderem bis zu 40 Landwirte der Bäuerlichen Notgemeinschaft mit ihren Treckern erwartet. Die
Umweltschutzorganisation Greenpeace projizierte am frühen Morgen eine leuchtende Protestschrift gegen den Transport auf das Kernkraftwerk Grohnde. Die Organisation fordert damit Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) auf, den Einsatz der acht plutoniumhaltigen Brennstäbe zu stoppen.

Transportschiff schon Sonnabend in Nordenham?

Die bundesweite Anti-Atom-Organisation „ausgestrahlt“ hat nach eigenen Angaben Informationen, dass der Frachter „Atlantic Osprey“ in der Nacht zu Mittwoch aus dem britischen Hafen Workington nahe der Wiederaufbereitungsanlage Sellafield abgelegt hat. Andere Initiativen berichten, dass am Dienstagabend das Ortungssignal der „Atlantic Osprey“ ausgeschaltet wurde. Darüber hinaus gebe es Hinweise, dass sich die Polizei für das Wochenende auf den Transport vorbereitet.

Atomkraftgegner halten Frachter für unsicher

Offizielle Angaben zum Liefertermin gibt es aus Sicherheitsgründen nicht. E.ON als Betreiber des Atomkraftwerks Grohnde hatte im Vorfeld nur den Monat November genannt. Bislang ist nur bekannt, dass acht weitere Brennelemente über Nordenham mit dem Lastwagen kommen. Atomkraftgegner haben wie beim ersten Transport im September bereits Proteste angekündigt. Ihnen macht besonders der Zustand des Frachters sorgen. Bereits vor sechs Jahren seien daran erhebliche Mängel festgestellt worden, so habe die Besatzung von der Brücke aus nicht die Temperatur in den Laderäumen beobachten können.

Was sind Mischoxid-Brennelemente?

Mischoxid-Brennelemente, kurz MOX-Elemente, enthalten anders als Brennelemente aus reinem Urandioxid noch ein weiteres Oxid – meistens Plutoniumdioxid. Wegen seiner stärkeren Radioaktivität ist Plutonium allerdings deutlich gefährlicher als Uran. Nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz geben MOX-Elemente „im Vergleich zu abgebrannten Brennelementen nur eine vergleichsweise geringe Strahlung ab“. Das in ihnen enthaltene Plutonium dürfe aber „keinesfalls in die Umwelt gelangen, da das Einatmen schon kleinster Mengen Lungenkrebs hervorrufen kann“. Atomkraftgegner kritisieren, dass zur Herstellung und Auslieferung der MOX-Brennstäbe Plutonium oft über weite Strecken transportiert werden muss, was das Unfallrisiko erhöhe. Zudem warnen sie
davor, dass bei MOX-Elementen die Kettenreaktion leichter außer Kontrolle geraten kann und ein Atomkraftwerk schlechter zu kontrollieren sei.


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